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25.07.2010 15:12
Stress auch ohne Stresstest
Börsianer werden in der neuen Woche noch den ein oder anderen Adrenalinschub bekommen. Zwar dürfte der Banken-Stresstest nun, nach Bekanntgabe der Ergebnisse, in den Hintergrund treten. Dafür stürzen sich Anleger auf die neuesten Quartalsbilanzen der Finanzinstitute.
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In dieser Woche wird unter anderem die Deutsche Bank ihre Zahlen zum zweiten Quartal veröffentlichen. Es waren schwierige drei Monate für Großbanken weltweit. Die Schuldenkrise im Euroraum verunsicherte die Märkte und belastete das Investmentbanking. Das Quartalsergebnis der Deutschen Bank dürfte nach Einschätzung von Experten mau ausfallen. Noch eine zweite Bank steht in dieser Woche auf der Agenda, die Banco Santander, nach Börsenwert die größte Bank der Euro-Zone. Sie wird am Donnerstag berichten.

Der Stresstest dürfte da in den Schatten gedrängt werden. Zumal die bösen Überraschungen am Freitagabend ausgeblieben sind. Nur sieben europäische Institute scheiterten bei dem Belastungstest, neben der ohnehin bereits verstaatlichten Münchner Hypo Real Estate fünf spanische Sparkassen und die griechische Atebank, deren Kapitalprobleme seit langem bekannt sind.

Auch der etwaige Kapitalbedarf der Durchfaller war nicht so hoch wie gedacht. Er wurde insgesamt auf 3,5 Milliarden Euro beziffert - deutlich weniger als von Experten erwartet und deutlich weniger als der US-Stresstest im vergangenen Jahr, nach dessen Vorbild die Europäer ihre Banken nun auf Herz und Nieren prüften. Damals fiel die Hälfte der getesteten amerikanischen Banken durch, insgesamt wurden 75 Milliarden Dollar in die Institute gepumpt.

Entsprechend gab es auch keine Kursstürze am Freitagabend. Im Gegenteil: Der Dax legte im Abendhandel weiter zu und beschert den Anlegern den dritten Gewinntag in Folge. An der New Yorker Wall Street reagierten Anleger gelassen, der Dow Jones und der breiter gefasste S&P 500 drehten nach Verlusten zur Eröffnung ins Plus.

Der Test war zu lasch
Das Thema Stresstest ist aber noch nicht vom Tisch. Am Wochenende wurde in Breite weiter darüber diskutiert, dass der Test ohnehin zu lasch war. "Das war kein echter Krisen-Stresstest", kritisierte Wolfgang Gerke vom Bayerischen Finanzzentrum. Eine Staatspleite wurde nicht simuliert. Abschläge am Staatsanleihenmarkt mussten die Banken nur im Handelsbuch vornehmen, obwohl die Mehrzahl dieser Papiere im Bankbuch liegt. Nach Gerkes Einschätzung wurde der Test von Anfang an so angelegt, dass von den 91 "gestressten" Banken in Europa nicht mehr als zehn Prozent durchfallen konnten. "Der Stresstest hat Leichen für tot erklärt", fasste Daniel Gros, Leiter des Centre for European Policy Studies (CEPS) zusammen.

Doch das auffallend schwache Abschneiden der NordLB und der Postbank könnte die Rufe von Investoren an die Häuser lauter werden lassen, ihre Kapitaldecke doch noch aufzupolstern, obwohl die beiden Institute dazu im Moment nach offizieller Bekundung keinen Anlass sehen. "Das sind keine Ergebnisse, auf die man stolz sein kann", bemängelt etwa Analyst Konrad Becker von Merck Finck.

Mehr Eigenkapital, weniger Landesbanken
Die deutschen Banken müssen als Konsequenz aus dem Stresstest nach Meinung von Politik und Experten nun weitere Reformen vorantreiben. So sollten die Eigenkapitalregeln überarbeitet und die Konsolidierung bei den Landesbanken vorangetrieben werden. Der Test hätte zwar gezeigt, dass einige Banken sehr ordentlich mit Kapital ausgestattet seien, sagte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger im Deutschlandfunk. "Auf der anderen Seite wäre es sinnvoll, dass man insgesamt die Eigenkapitalregeln auf eine robustere Basis stellt."

Die Krise habe gezeigt, dass aus sicheren Aktiva wie Staatsanleihen sehr schnell unsichere werden könnten. Deshalb hätte die Unterlegung mit Eigenkapital zu einem bestimmten Prozentsatz unabhängig vom Risiko der Anlagen Vorteile, sagte Bofinger. Gerke plädierte dafür, bei künftigen Stresstests als Minimum eher eine Kernkapitalquote von acht anstatt sechs Prozent als Messlatte zu nehmen. "Das spiegelt ein besseres Polster für die Banken wider", sagte Gerke.

Dax-Reigen im schnellen Takt
Mehr und mehr dringt aber nun die Berichtssaison in das Bewusstsein der Börsianer. Während es in den USA schon vor zwei Wochen los ging, starten die Unternehmen bei uns erst jetzt richtig durch. Neben der Deutschen Bank lassen sich am Dienstag noch SAP und Deutsche Börse in die Bücher gucken. Daimler legt ebenfalls seine Bilanz vor. Der Autokonzern hatte schon in der vorigen Woche seine Gewinnprognosen für das laufende Jahr hochgeschraubt.

Am Mittwoch folgen Infineon und am Donnerstag Bayer, BASF, Siemens, VW, MAN, Merck und Lufthansa. Damit wäre dann gut ein Drittel der Dax-Unternehmen abgefeiert. Dazu kommen noch eine lange Reihe von Firmen aus der zweiten und dritten Börsenreihe. Mehr dazu in unsere Chartserie  Die Hingucker der Woche

Die Wall Street segelt mit reichlich Rückenwind in die neue Woche. Doch wenn die rasante Fahrt der vergangenen Tage fortdauern soll, dann sind eine Reihe weiterer überzeugender Unternehmensberichte nötig. Die Anleger werden darin genau auf Umsatzsteigerungen achten, die sich auch ohne Kostensenkungen im Ergebnis niederschlagen. Im Mittelpunkt des Interesses stehen die Zahlen zahlreicher Schwergewichte. Den Anfang macht am Dienstag der Chemiekonzern DuPont. Der Flugzeugbauer Boeing folgt etwa am Mittwoch. Am Freitag zieht der Öl-Multi Chevron nach.

Schwache Konjunkturdaten und pessimistische Äußerungen von Notenbankchef Ben Bernanke zur Wirtschaftsentwicklung hatten die New Yorker Börsen in der vergangenen Woche lange belastet. Doch positive Quartalszahlen von Unternehmen läuteten die Wende ein und zogen die Märkte deutlich nach oben

Unter strenger Beobachtung: US-Konjunkturdaten
"Es gibt einen steten Kampf zwischen Bullen und Bären. Die Antwort liegt aber in der Mitte", sagt Brian Jacobsen, Portfolio-Stratege bei Wells Fargo Fund Management. Viele Analysten scheinen sich mittlerweile damit arrangiert zu haben, dass die Erholung langsamer verläuft als erhofft. Darauf deuten eine Reihe charttechnischer Faktoren hin. "Alle Indikatoren signalisieren noch immer Wachstum, wir wachsen bloß nicht mehr so schnell wie damals, als wir aus dem Tal kamen. Und das ist auch absolut logisch", sagt Michael O'Rourke, Chef-Marktstratege bei BTIG. Der Ausverkauf sei vorbei. Das Tief von Anfang Juli sei wohl auch das Jahrestief gewesen.

Die große Unbekannte bleiben aber Konjunkturdaten, die den Bilanz-Enthusiasmus der Anleger trüben könnten. So werden die Anleger am Mittwoch das Beige Book der Fed vor allem nach Hinweisen durchforsten, die näheren Aufschluss über den Kommentar Bernankes, die Wachstumsaussichten seien "außergewöhnlich unsicher", bringen könnten. Zuvor steht am Montag bereits der Eigenheimabsatz für Juni an. Am Dienstag wird neben weiteren Immobiliendaten das Verbrauchervertrauen für Juli veröffentlicht. Am Mittwoch steht neben dem Beige Book auch der Auftragseingang für langlebige Güter im Juni an und am Donnerstag folgen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Zuletzt kommt am Freitag die erste Schätzung des BIP für das zweite Quartal.

bs
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